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TÜV-Report 2026: Tesla, ID.4 & Co. – warum das Ranking eher Wartung als Fahrzeugqualität misst

TÜV-Report 2026: Tesla, ID.4 & Co. – warum das Ranking eher Wartung als Fahrzeugqualität misst

Der TÜV-Report 2026 wird jedes Jahr wie ein Orakel gelesen: „Dieses E-Auto ist das zuverlässigste, jenes das schlechteste.“ Klingt nach einer einfachen Kaufentscheidung – ist es aber nicht. Denn die klassischen TÜV-Rankings basieren auf Mängel-/Durchfallquoten bei der Hauptuntersuchung (HU). Und genau da beginnt das Problem: Diese Quote wird von Faktoren beeinflusst, die im Ranking meist nicht sauber getrennt werden – vor allem Laufleistung und Wartungs-/Inspektionshäufigkeit.

In diesem Beitrag zerlegen wir die Logik hinter den Zahlen anhand der Grafiken (Laufleistung, Ausfallquote, korrigierte Ausfallquote, Inspektionshäufigkeit und ein „faireres“ Ranking inkl. Unsicherheiten) – und leiten ab, was du als Käufer:in wirklich daraus mitnehmen solltest.

1) Was misst das TÜV-Ranking überhaupt?

Die HU ist ein Stichtag. Der Prüfer sieht das Auto genau so, wie es an diesem Tag vorfährt.

  • Wurde kurz vorher gewartet? Dann steht das Auto „geschniegelt“ da.
  • Wurde wenig gewartet? Dann bringt es seine kleinen Macken mit zur HU.
  • Wird das Auto viel bewegt? Dann hat es mehr Verschleißchancen.

Das ist nicht „falsch“. Aber: Es beantwortet nicht automatisch die Frage, die viele daraus machen:
„Welches Modell ist konstruktiv am zuverlässigsten?“

2) Die Laufleistung-Falle: Wenn Viel-Fahren bestraft wird

Die erste Grafik zeigt die durchschnittliche Laufleistung (in 2 Jahren) der Modelle – und die Unterschiede sind riesig:

Sehr hohe Laufleistungen

  • Tesla Model 3: 56k km
  • Tesla Model Y: 55k km
  • Škoda Enyaq: 51k km
  • VW ID.4/ID.5: 47k km
  • Hyundai Ioniq 5: 46k km

Deutlich niedrigere Laufleistungen

  • Mini Cooper SE: 27k km
  • Opel Mokka-e / Fiat 500e / Dacia Spring: je ~26k km
  • BMW i3: 28k km
  • Renault Twingo Electric / VW e-up!: ~29k km

Warum ist das wichtig?
Wenn zwei Autos die gleiche HU-Mängelquote haben, das eine aber doppelt so viel gefahren ist, dann hat das Viel-Fahrer-Auto diese Quote unter „härteren“ Bedingungen erreicht. Ein Ranking, das nur „Prozent bei HU“ nimmt, kann Viel-Fahrer also systematisch schlechter aussehen lassen, selbst wenn sie pro Kilometer nicht problematischer sind.

3) Das „Roh-Ranking“ nach Ausfallquote: Mini top, Tesla ganz unten

Im klassischen Ranking „Rangliste nach Ausfallquote (%)“ sieht das so aus:

Top (niedrige Ausfallquote)

  1. Mini Cooper SE: 3,5%
  2. Audi Q4 e-tron: 4,0%
  3. Fiat 500e: 4,2%
  4. BMW i3: 4,6%
  5. Renault Twingo Electric: 4,6%

Bottom (hohe Ausfallquote)
16. Dacia Spring: 13,0%
17. Tesla Model 3: 13,1%
18. Tesla Model Y: 17,3%

Wenn man hier aufhört zu lesen, ist die Story klar: Mini = super, Tesla = Problem. Nur: Das ignoriert komplett, dass Teslas im Schnitt deutlich mehr Kilometer fressen – und dass Wartungslogik eine Rolle spielt.

4) Kilometerbereinigt kippt die Spitze – und Tesla rückt hoch

Die nächste Grafik zeigt die korrigierte Ausfallquote pro 1000 km. Das ist der erste große „Aha“-Moment:

Top nach Ausfallquote/1000 km

  1. Audi Q4 e-tron: 0,10
  2. Hyundai Ioniq 5: 0,11
  3. Mini Cooper SE: 0,13
  4. Hyundai Kona Elektro: 0,13
  5. VW ID.4/ID.5: 0,13

Tesla (kilometerbereinigt)

  • Tesla Model 3: 0,23 (deutlich besser als im Roh-Ranking)
  • Tesla Model Y: 0,31 (immer noch eher schwach, aber nicht mehr „absolutes Endzeit“-Niveau)

Schlusslicht

  • Dacia Spring: 0,50

Interpretation:
Teslas werden im Roh-Ranking hart getroffen, weil sie sehr viel gefahren werden. Kilometerbereinigt sind sie zwar nicht plötzlich Spitzenreiter – aber die Einordnung wird fairer.

5) Der zweite, oft größere Hebel: Inspektionshäufigkeit

Jetzt kommt der Teil, den viele übersehen: Wie oft war das Auto vor der HU in der Werkstatt/Inspektion?
Die Inspektionsgrafik zeigt erwartete Inspektionen in 2 Jahren – auch hier: riesige Unterschiede.

Sehr seltene Inspektionen

  • Tesla Model 3: 0,5
  • Tesla Model Y: 0,5

Mittelfeld

  • BMW i3 / VW ID.3 / VW ID.4/ID.5: je 1,0
  • Renault Zoe: 2,13
  • Audi Q4 e-tron: 2,8
  • Hyundai Ioniq 5: 3,07
  • Škoda Enyaq: 3,4

Sehr häufige Inspektionen

  • Mini Cooper SE: 4,0
  • Hyundai Kona Elektro: 4,93
Balkendiagramm Anzahl Inspektionen in 2 Jahren je E-Auto-Modell.
Werkstattkontakt als Verzerrer: Modelle mit häufigeren Inspektionen haben mehr Chancen, HU-Mängel vorab zu beseitigen.

Warum verzerrt das die HU-Quote?
Viele HU-Mängel sind Dinge wie Beleuchtung oder Bremsen, die man bei regelmäßiger Wartung vorab findet und richtet. Wer häufiger in die Werkstatt muss, kommt tendenziell „aufgeräumter“ zur HU – und sieht besser aus, ohne dass das Auto zwingend konstruktiv überlegen sein muss.

6) Das „fairere“ Ranking: Kilometer + gleiche Wartungsbedingungen + Unsicherheit

In der finalen Grafik wird beides kombiniert:

  • Ausfälle pro Kilometer (statt nur „pro HU“)
  • plus „gleichgezogene“ Wartungsbedingungen (damit alle vergleichbarer sind)
  • plus Unsicherheitsbalken (weil die Korrektur modelliert ist und nicht punktgenau „die Wahrheit“)

Das Ergebnis ist eine Rangliste, die an mehreren Stellen deutlich anders aussieht:

Große Gewinner

  • VW ID.4/ID.5: von Rang 9 → Rang 1
  • Tesla Model 3: von Rang 17 → Rang 7

Verlierer

  • Mini Cooper SE: von Rang 1 → Rang 8 (nicht „schlecht“, aber nicht mehr „unangreifbar“)

Konstant schlecht

  • Dacia Spring bleibt Schlusslicht (auch nach Korrekturen)

Wichtig: Die pinken Balken (Unsicherheit) sind kein Deko-Element. Sie sagen:
„Dieses Modell kann je nach Annahmen etwas rauf oder runter rutschen – das Ranking ist keine in Stein gemeißelte Wahrheit.“

7) Was steckt hinter den Mängeln – und was heißt das für dich?

Ein HU-Durchfaller ist nicht automatisch ein „unzuverlässiges Auto“. Viele Fälle sind:

  • Beleuchtung (Scheinwerfer eingestellt, Nebelscheinwerfer, Leuchten)
  • Bremsen (bei E-Autos oft: zu wenig mechanisch genutzt → Rost/Tragbild)
  • Achsen/Fahrwerk (teils teurer, eher ernst zu nehmen)

Das heißt für den Alltag:

  • Wer vor der HU Licht checkt und bei E-Autos die Bremsen bewusst regelmäßig nutzt, kann die Wahrscheinlichkeit vieler typischer HU-Mängel senken – unabhängig vom Modell.
  • Modelle, die stark von Wartung abhängen, können im TÜV-Ranking schlechter wirken, obwohl sie mit vernünftigem Service im Alltag unauffällig wären.

8) Kaufentscheidung: So liest du TÜV-Rankings sinnvoll

Hier ist eine pragmatische „Übersetzung“:

Wenn du maximalen „HU-Frieden“ willst (und wenig Bock auf Checks)

Dann ist die Roh-Quote durchaus relevant: Sie sagt, wie oft ein Auto ohne Extra-Kümmern mit Mängeln auftaucht.

Wenn du viel fährst (hohe Laufleistung)

Dann ist ein kilometerbereinigter Blick Pflicht. Sonst bestrafst du Modelle, die schlicht mehr genutzt werden.

Wenn du Wartung ernst nimmst (oder sowieso regelmäßig checken lässt)

Dann ist die Roh-Quote weniger dramatisch – und es lohnt sich, nach Mängelarten zu schauen (Licht/Bremse vs. Fahrwerk).

9) Und jetzt kommt Geld ins Spiel: Förderung kann die Rechnung verändern

Gerade weil in den Rankings günstige und teure Modelle nebeneinander stehen, spielt die Finanzierungsrealität eine große Rolle: Leasing/Kaufpreis, Rate, Versicherung – und (wichtig) staatliche Förderung.

Laut den „Fragen und Antworten zur E-Auto-Förderung“ des Bundesumweltministeriums (BMUKN) ist ein neues Förderprogramm geplant, das Kauf und Leasing von Neuwagen unterstützt und sozial gestaffelt ist.

Ein paar Punkte daraus, die für deine Planung relevant sind (Stand der Seite: 19.01.2026):

  • Start & Rückwirkung: Anträge sollen voraussichtlich ab Mai 2026 möglich sein; förderfähig sind Fahrzeuge, die nach dem 1. Januar 2026 neu zugelassen werden; die Förderung soll rückwirkend beantragbar sein (entscheidend ist das Datum der Neuzulassung).
  • Wer kann beantragen? Privatpersonen, mit einer Einkommensgrenze von 80.000 € zu versteuerndem Haushaltsjahreseinkommen, mit Anhebung für Kinder (bis zu 90.000 € bei zwei oder mehr Kindern, nach den beschriebenen Regeln).
  • Wie hoch ist die Förderung? Basisförderung 3.000 € für BEV; 1.500 € für Plug-in-Hybride und Range-Extender; zusätzliche familien- und einkommensabhängige Aufschläge werden beschrieben.
  • Leasing ist ausdrücklich mitgemeint; es wird eine Mindesthaltedauer von 36 Monaten genannt und es wird erläutert, dass Leasing ebenfalls sozial gestaffelt gefördert werden soll.

Warum gehört das in einen TÜV-Ranking-Artikel?
Weil „Zuverlässigkeit“ nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Frage ist:
Ein kleines Beleuchtungsproblem ist lästig – aber je nach Fahrzeugpreis/Rate und Förderung tut es finanziell sehr unterschiedlich weh. Und: Förderung kann Modelle, die „pro Euro“ attraktiver sind, plötzlich in Reichweite bringen.

Fazit: Der TÜV-Report ist nützlich – aber das Ranking ist keine absolute Wahrheit

  • Das klassische TÜV-Ranking ist nicht sinnlos, aber es ist kontextarm.
  • Sobald du Laufleistung und Wartung mitdenkst, verändern sich die Plätze spürbar.
  • Die „faire“ Sicht zeigt vor allem:
    Zahlen sprechen nicht für sich – man muss wissen, was sie messen (und was nicht).
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Als Chefredakteur für Solar und dynamische Stromtarife kombiniert Energysion seine Leidenschaft für erneuerbare Energien mit fundierter Expertise. Er fährt selbst ein E-Auto und testet dynamische Stromtarife, um aus erster Hand praxisnahe Erkenntnisse zu gewinnen. Mit einem scharfen Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Solartechnologie und Photovoltaik recherchiert er zukunftsweisende Trends. Sein Bachelor of Laws verleiht ihm zusätzlich die Fähigkeit, komplexe rechtliche Aspekte der Energiewende zu durchdringen und verständlich aufzubereiten – eine perfekte Mischung aus Technik, Praxis und Gesetz.

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